Sonnenfinsternis in Deutschland: 90 Prozent — und die nächste kommt 2075

Gestern Abend, kurz nach acht, standen in halb Deutschland Menschen auf Balkonen, Feldwegen und Parkplätzen und schauten in dieselbe Richtung. Die Sonne stand tief, orange, und ein Stück fehlte. Bis zu 90 Prozent von ihr waren weg.
Wer es gesehen hat, wird es nicht vergessen. Wer es verpasst hat, muss lange warten — und genau darum geht es in diesem Text.
Was am 12. August 2026 wirklich zu sehen war
Es war eine **partielle** Sonnenfinsternis. Der Kernschatten des Mondes — der schmale Streifen, in dem es am helllichten Tag Nacht wird — zog über Grönland, Island und Nordspanien. Deutschland lag daneben, aber nah genug für ein außergewöhnliches Schauspiel.
| Ort | Bedeckung der Sonnenfläche |
|---|---|
| Freiburg | rund 90 % |
| Berlin | rund 85 % |
| Allgemein | je weiter nordöstlich, desto weniger |
Das Maximum fiel gegen 20:16 Uhr MESZ — kurz vor Sonnenuntergang. Das ist der Grund, warum die Bilder von gestern so ungewöhnlich aussehen: keine grelle Sichel am Mittagshimmel, sondern eine angebissene, tiefstehende Sonne über dem Horizont.
Wann kommt die nächste?
Hier wird es unangenehm konkret. Eine Bedeckung von bis zu 90 Prozent erreicht Deutschland erst wieder am **13. Juli 2075**.
Eine *totale* Sonnenfinsternis, bei der es wirklich dunkel wird, ist noch weiter weg. Für die meisten von uns heißt das: Wer die Totalität erleben will, muss reisen. Sie kommt nicht zu uns.
Kanada hatte 2024 das, was Deutschland gestern knapp verpasst hat
Am 8. April 2024 zog der Kernschatten über den Osten Kanadas — Ontario, Québec, New Brunswick, Prince Edward Island. Und ganz am Ende, an der Nordspitze von Cape Breton, auch über Nova Scotia.
In Meat Cove, dem letzten Ort an der Straße, wurde es um 16:39 Uhr Atlantikzeit für eine Minute und dreißig Sekunden Nacht. Der Rest von Nova Scotia sah rund 95 Prozent.
Wir waren vier Monate hier. Wir standen an der Küste, es wurde still, und die Vögel hörten auf. Danach wussten wir, dass wir nicht in den Urlaub gefahren waren.
Und die nächste Totalität in Nova Scotia?
Der 1. Mai 2079. Auch hier gilt also: Der Kernschatten ist ein seltener Gast, überall auf der Welt.
Was Nova Scotia stattdessen jeden klaren Abend bietet, ist unspektakulärer und dafür verlässlich: ein Himmel, an dem die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen ist, weil zwischen der Küste und dem nächsten größeren Lichtschein sehr viel Wald liegt.
Wenn Sie es fotografiert haben
- Sonnenfilter gehören vor das Objektiv, nicht dahinter — auch bei tiefstehender Sonne
- Eine Sonnenfinsternisbrille ist kein Kamerafilter und umgekehrt
- Bilder mit Vordergrund — Kirchturm, Baumreihe, Horizont — altern besser als reine Teleaufnahmen
- Notieren Sie Ort und Uhrzeit, solange Sie es noch wissen
Und falls Sie gestern nur mit bloßem Auge und Brille dagestanden haben: Das war vermutlich die bessere Entscheidung.
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